Tausende setzen in Erfurt Zeichen für einen starken Sozialstaat Hart erarbeitet, gemeinsam verteidigt:

Rund 4.000 Menschen sind in Erfurt auf die Straße gegangen, um ein klares Signal gegen Kürzungen im Sozialbereich zu senden.

Fahnen vor Hauptbahnhof

27. September 2026 27. September 2026


Rund 4.000 Menschen sind in Erfurt auf die Straße gegangen, um ein klares Signal gegen Kürzungen im Sozialbereich zu senden. Beschäftigte aus den unterschiedlichsten Branchen, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sowie zahlreiche Unterstützer machten deutlich: Soziale Sicherheit, gute Gesundheitsversorgung und eine verlässliche Altersvorsorge sind keine staatlichen Wohltaten, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit und solidarischer Finanzierung durch die Beschäftigten.

Für die IG Metall steht fest: Wer täglich Leistung bringt, Steuern zahlt und durch seine Arbeit den wirtschaftlichen Erfolg des Landes sichert, darf nicht zum Sparobjekt der Politik werden. Statt Sozialleistungen abzubauen oder Arbeitnehmerrechte einzuschränken, braucht es Investitionen in Industrie, Infrastruktur und gute Arbeitsplätze.

In den Redebeiträgen wurde deutlich gemacht, dass die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen nicht durch Einschnitte bei den Beschäftigten gelöst werden können. Vielmehr seien eine aktive Industriepolitik, bezahlbare Energiepreise und Investitionen in Innovationen notwendig, um Wachstum und Beschäftigung langfristig zu sichern.

Besonders kritisiert wurden Überlegungen, soziale Leistungen zurückzufahren, während Vermögende weiterhin vergleichsweise gering belastet würden. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten deutlich, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Aus Sicht der Gewerkschaften ist es nicht akzeptabel, wenn Beschäftigte steigende Mieten, höhere Lebenshaltungskosten und wachsende finanzielle Belastungen schultern müssen, während große Vermögen und hohe Erbschaften nur unzureichend zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen.

Auch die Auswirkungen geplanter Kürzungen auf Frauen wurden thematisiert. Einschnitte bei Familienleistungen, Pflegeangeboten oder Wohnkostenunterstützungen träfen Frauen häufig besonders stark. Gleichzeitig würden zusätzliche Befristungsmöglichkeiten die Unsicherheit vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weiter erhöhen.

Die IG Metall betont: Ein starker Sozialstaat und gute Arbeit gehören untrennbar zusammen. Tarifverträge, Mitbestimmung und soziale Sicherheit sind keine Belastung für die Wirtschaft, sondern wichtige Voraussetzungen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Stabilität. Die Beschäftigten in den Betrieben schaffen jeden Tag Werte, produzieren Wohlstand und halten die Industrie am Laufen. Deshalb haben sie Respekt, Sicherheit und faire Arbeitsbedingungen verdient.

Die Demonstration in Erfurt machte deutlich: Die Beschäftigten sind bereit, für ihre Rechte und einen handlungsfähigen Sozialstaat einzustehen. Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken will, muss die Interessen der arbeitenden Menschen in den Mittelpunkt stellen. Der Wohlstand unseres Landes wird in den Betrieben geschaffen – von den Kolleginnen und Kollegen in Produktion, Handwerk, Dienstleistung und Pflege. Deshalb gilt: Was die Beschäftigten erarbeitet haben, lassen sie sich nicht wegnehmen.

 

Statement von Ilko Vehlow, 1. Bevollmächtigter und Kassierer der IG Metall Erfurt

„Die heutige Demonstration mit rund 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Erfurt zeigt deutlich: Die Menschen haben genug davon, dass soziale Sicherheit immer wieder zur Verhandlungsmasse gemacht wird. Unsere Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben leisten täglich ihren Beitrag zum Wohlstand dieses Landes. Sie entwickeln, produzieren, reparieren und sorgen dafür, dass die Wirtschaft läuft. Es kann nicht sein, dass ausgerechnet diejenigen, die den Reichtum unseres Landes erarbeiten, am Ende die Zeche für politische Fehlentscheidungen zahlen sollen.

Als IG Metall sagen wir ganz klar: Wer eine starke Industrie will, braucht auch einen starken Sozialstaat. Gute Arbeitsbedingungen, sichere Renten, eine verlässliche Gesundheitsversorgung und soziale Absicherung sind keine Privilegien, sondern Grundpfeiler einer gerechten Gesellschaft. Statt über Kürzungen zu diskutieren, müssen wir darüber sprechen, wie wir Arbeitsplätze sichern, die industrielle Transformation gestalten und Zukunftsinvestitionen auf den Weg bringen.

Gerade in Thüringen wissen die Beschäftigten, was Wandel bedeutet. Die Kolleginnen und Kollegen in unseren Betrieben stellen sich jeden Tag den Herausforderungen von Digitalisierung, Transformation und internationalem Wettbewerb. Dafür verdienen sie Respekt, Planungssicherheit und politische Unterstützung statt weiterer Belastungen.

Die Botschaft aus Erfurt ist deshalb unmissverständlich: Wer die Interessen der arbeitenden Menschen ignoriert, wird auf unseren entschlossenen Widerstand treffen. Die Beschäftigten haben dieses Land stark gemacht. Sie verdienen soziale Sicherheit, faire Chancen und eine Politik, die ihre Lebensrealität in den Mittelpunkt stellt. Dafür werden wir als IG Metall auch weiterhin mit Nachdruck eintreten.“

Ilko Vehlow
1. Bevollmächtigter und Kassierer der IG Metall Erfurt